Portrait von Daniel Hauri (Gründer von singles.ch)
«Alles ergab sich durch Zufall»ch
Aarau, 25.11.2008 - Von der PC-Euphorie liess er sich nicht anstecken. Doch die unaufhaltsame Entwicklung belehrte ihn eines Besseren.
Heute betreibt er mit seinerFirma Internetplattformen und erstellt Websites für Kunden.
Daniel Hauris Büro am Färbergässli wirkt weder steril noch hochtechnisiert. Durch die Fenster des Altstadthauses sieht er auf den redimensionierten
Färberplatz und die Markthalle. Fotos und Bilder zeugen davon, dass er ein bekennender Aarau-Fan und Autoliebhaber ist. In einer Vitrine stehen rote
Modellautos vom Mini Cooper bis zum Ferrari. Die Liebe zu den Motoren scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein. Das erste Auto kaufte er mit 19 Jahren. Er weiss noch, dass er seinen Mini Cooper mit 17 Hunderternoten bezahlt hat. «Meine Eltern wussten von nichts. Meine Grossmutter begleitete mich, weil sie mich abschleppen musste!»
Autos sind seine grosse Leidenschaft. Begleitet vom Dano-Hauri-Team,
fuhr er Rennen im In- und Ausland. «Weil ich einmal die englischen Anweisungen des Speakers nicht verstand und zehn Strafsekunden kassierte, entschloss ich mich, meine Englischsprachkenntnisse
zu verbessern», erzählt Daniel Hauri. Aus dem kurzen Sprachaufenthalt in den USA wurden vier Jahre. Nachdem er im Autohandel gearbeitet hatte und der Sprache mächtig war, absolvierte er in Michigan den Master of Business Administration. Nach diesem Abschluss bekam er die Chance, als Projektleiter ein Solarmobil zu entwickeln, das an der World Solar Challenge 1990 in Australien den dritten Rang belegte.
EINES WUSSTE ER GENAU, mit 40 Jahren wollte er selbstständig sein. Noch wusste er nicht, womit er sein Geld verdienen wollte, doch hatte er während seiner USA-Zeit einige Ideen gesammelt. Einen ersten Versuch startete er mit dem Import und Verkauf von Wasservelos. Ein hartes Geschäft, das kaum Gewinn abwarf. 45 Stück konnte er in der Schweiz absetzen. «Vor allem auf dem Heidsee auf der Lenzerheide sind einige zu sehen», erzählt er. Die ersten Jahre waren hart und von Arbeit geprägt. «Von der PC-Euphorie liess ich mich nicht anstecken», erzählt er, «als ich aber erkannte, dass ich die Entwicklung verschlafen hatte, wollte ich bei der Einführung des Internets nicht abseits stehen. » In Aarau betrieb er den ersten Einwählknoten, der das Surfen im Netz zu einem günstigen Tarif ermöglichte. Eines Nachts reservierte er sich über 20 Domain-Namen. «270 Franken habe ich für jede einzelne bezahlt!», weiss er noch. Ein Domain-Name sei wie der Erwerb eines Bauplatzes, «je besser der Name, je ertragreicher».
Eine der reservierten Adressen hiess «singles.ch». «Diesen Begriff kannte ich aus meiner USAZeit. » Noch hatte er keine Ahnung, was er mit dieser Internetadresse anfangen wollte. Doch wie so häufig in seinem Leben, mischte der Zufall mit. Im Gästebuch von «singles.ch» hinterliessen immer
mehr Menschen ihren Wunsch nach einem Partner. Daniel Hauri trug diesem Bedürfnis Rechnung und richtete eine der ersten kostenlosen Partnervermittlungsbörsen ein. Heute sind schweizweit 30 000 Männer und Frauen registriert. Wenn er bei einer Neuanmeldung die Fotos sichtet, kann es vorkommen, dass er jemanden kennt. «Da halte ich mich natürlich an die
Schweigepflicht», hält er fest. Noch mehr Erfolg hat die Plattform «digital-postcard.ch». Diese Seite hat weltweit über 250000 User. Fast 6000
Postkarten stehen zur Verfügung. «Manchmal erhalte ich begeisterte Zuschriften. Eine Benützerin aus Brasilien schickte mir einmal in Stanniol eingewickelte Dollarnoten für ihre Premium-Mitgliedschaft», erzählt er.
Heute stammen die Einnahmen seiner GmbH zu zwei Dritteln aus den Werbeeinnahmen und Mitgliederbeiträgen von den Plattformen «singles.ch» und «digital-postcard. ch» und zu einem Drittel aus seinen Webdesign- und Hostingaufträgen. Vor einem Jahr ist Daniel Hauri 50 Jahre alt geworden und vor einem halben Jahr hat er geheiratet. Seine Frau Anna hat er nicht etwa übers Internet, sondern während eines Aufenthalts in Russland kennen gelernt. Daniel Hauri ist überzeugt, dass man mit dem Heiraten nicht zu lange zuwarten soll. «Sonst sieht man später wieder davon ab», sagt er und lächelt wissend. Er habe hier auch ein Vorbild aus der Formel-1-Szene – den legendären Fahrer Emerson Fittipaldi. «Dieser hat seine Frau – eine Stewardess – auf einem Flug kennen gelernt und sechs Wochen später geheiratet.»
Quelle: singles.ch
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